Ein Hund mit Biß

Das erste Mal fielen meine Eltern aus allen Wolken, als sie hörten, dass ich nach Bulgarien gehen würde…… . Nein,  nicht nur für 2 Wochen in den Urlaub, sondern um dort zu leben…. . Ich erinnere mich noch heute daran, als der beste Freund meines Vaters mich fragte, wie es sich denn in Rumänien so leben würde…. . Mein armer Herr Papa muss also so geschockt gewesen, dass er nicht einmal richtig registriert hatte, dass ich nun in Bulgarien lebte… .

 

Das zweite Mal fielen meine Eltern aus allen Wolken, als sie hörten, dass ich einen "von diesen wilden" Straßenhunden bei mir Zuhause aufgenommen hatte – zu ihrem Entsetzen direkt von der Straße… . Ich hatte diesen verzottelten Schatz gesehen und gleich gewusst: "Wir gehören zusammen! Genau das ist mein Seelenhund!"

 

Leider stand ich mit meiner Meinung ziemlich allein da, denn dieser Hund sah dies nicht ganz genauso… . Eigentlich sah er es überhaupt nicht so. Während ich also freudig aus dem Auto sprang und mit Futter auf ihn zu lief - klemmte er die ohnehin schon eingeklemmte Rute noch tiefer ein und rannte, was seine Beinchen hergaben, die Straße herunter. Nur weg von mir, weit weit weg… .

 

Das zweite Mal war ich etwas schlauer, dachte ich zumindest, und ging vorsichtig auf ihn zu – und ließ viel Abstand zwischen uns. Dann warf ich die Wurst behutsam in seine Richtung – und sah nur noch eine Staubwolke… . Erneut hatte er die Flucht vor mir ergriffen. Woher hätte der kleine Kerl denn aber auch wissen sollen, dass ich ihm doch einfach nur Futter hatte hinwerfen wollen -  und nicht versucht hatte, ihn mit Steinen zu verjagen... . Was musste dieser kleine Kerl alles schon erlebt haben… .

 

Lange Rede – kurzer Sinn! Letztendlich verbrachte ich einige furchtbare Wochen damit, den kleinen Mann dazu zu bringen, mich hin und wieder mal etwas näher an sich heran zu lassen und das Futter direkt neben ihn zu legen. Furchtbar war die Zeit, weil der kleine Kerl nur noch aus Kopf zu bestehen schien, weil er so dünn war. Darüber konnte nur sein längeres Fell hinwegtäuschen... . Furchtbar, weil er nicht jeden Tag auf der Straße anzutreffen war… . Furchtbar,  weil er an dieser einen Hauptstraße lebte und ich schreckliche Angst davor hatte, ihn eines Tages überfahren am Straßenrand vorzufinden, wie schon so viele andere arme Seelchen vor ihm… .

 

Also entschloss ich mich spontan, als ich ihn das nächste Mal auf der Straße sah: Jetzt pack ich ihn ein und nehme ihn mit! Weg von der Straße und hinein in die Sicherheit! Aurelius, den Namen hatte ich ihm schon gegeben, sah mich abwartend an, als ich zu ihm kam, aber immerhin lief er nicht mehr vor mir weg und so durfte ich die Schale mit dem Futter direkt vor ihm abstellen. Und nachdem er seine Nase in das Futter gesteckt hatte, fasste ich mir ein Herz und, unwissend wie ich war, griff ich einfach nach Aurelius und schnappte ihn mir.

 

Der arme Schatz muss Todesängste ausgestanden haben! Er schrie laut auf und biss wild um sich. Und wie sollte es anders sein: Bingo – direkt in meine Finger! Jeder, der sich schon einmal in den Finger geschnitten hat, weiß, wie sehr diese bluten!!! Jesses, ich war überrascht, wie heftig sich dieser kleine Kerl mit dem ausgemergelten Körper wehren konnte! Aber, verdammt, ich konnte ihn nicht loslassen, da meine Angst, dass er, panisch, wie er sich nun aufführte, vor ein vorbei fahrendes Auto springen und sich verletzten würde – viel zu groß war!

 

Ich versuchte den Schatz mit leisen Worten zu beruhigen und als er endlich nicht mehr so wild herumzappelte, trug ich ihn zum Auto, wohlweislich meine blutenden Finger in seinem langen Fell versteckend – und strahlte Enzo an, der im Auto auf mich gewartet und nichts von der Beißattacke mitbekommen hatte. Enzos Lebensplan schrieb zu diesem Zeitpunkt keinen Hund vor – und ich war mir seinerzeit selber nicht so ganz im Klaren darüber, wie ich seine Zustimmung bekommen hatte, den Kleinen aufnehmen zu dürfen ;) Hatten wir doch schon Kater Socrates ein Zuhause geschenkt.

 

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich leider so ziemlich alles falsch gemacht habe, was ich falsch machen konnte, aber Aurelius hat es mir verziehen. Aurelius ist und wird immer mein Herzenshund bleiben! Wir haben eine Bindung, die man mit Worten nicht beschreiben und die von nichts und niemandem gestört werden kann. Dem Kleinen fehlen im Unterkiefer drei Zähne und ich bin mir sicher, dass sie ihm in der Zeit auf der Straße, wahrscheinlich mit einem gezielten Tritt, ausgeschlagen wurden. Aurelius hat einige chronische  Erkrankungen, bekommt am Tag 11 Tabletten (acht davon schon allein für die Schilddrüse) und liebt das Leben! Manchmal hüpft er wie ein kleines Känguru durch die Gegend. In der ersten Zeit vermutete ich,  dass er niemals ohne mich das Haus verlassen würde – denn ohne mich ging er nicht einmal in den Garten. Letzteres hat sich inzwischen geändert, aber noch immer wartet er auf mich, wenn wir Spazieren gehen.

 

Aus einem Kater und einem Hund wurden in der Zwischenzeit 4 Hunde und 4 Katzen – und sie bereichern unser Leben so sehr, dass wir nicht ein einziges Tier missen möchten! Jedes Tier mit seinen eigenen Macken, genau wie bei uns Menschen! Zeitweise haben wir sogar noch mehr Tiere bei uns, da wir auch Zuhause Straßentiere aufpäppeln, bis wir ihnen ein schönes Zuhause in Deutschland finden können. Es gab eine Zeit, da habe ich mich immer gefragt, wie sich Menschen Tiere nach einem Foto aussuchen können – aber inzwischen weiß ich, dass ich es eigentlich gar nicht anders gemacht habe. Wir haben drei Hunde direkt von der Straße aufgenommen, ohne zu wissen, wie sie auf andere Hunde oder Katzen oder geschlossene Räume reagieren. Einen Hund haben wir direkt aus dem Tierheim mitgenommen. Es gab niemanden, der uns auch nur einen noch so kleinen Teil über die Vergangenheit des Hundes erzählen konnte. Es war auch sicher nicht immer leicht, gerade zu Anfang, vier Straßenhunde und vier Straßenkatzen, die teilweise unterschiedlicher nicht sein können, zu einem harmonischen Zusammenleben zu bewegen, aber es hat funktioniert! Und wenn wir das schaffen, warum dann nicht auch Sie?!

 

Es gibt vielleicht nur ein paar Fragen, die Sie sich, BEVOR Sie sich für einen Straßenhund aus Bulgarien entscheiden, stellen sollten und die Ihnen Ihre Entscheidung, ob Sie einem Straßenhund aus Bulgarien ein wundervolles Zuhause schenken möchten, erleichtern könnten. Diese Fragen können Sie demnächst hier lesen  – die Entscheidung selbst liegt letztendlich natürlich ganz bei Ihnen!

 

Ps.: Bereits nach dem fünften Straßentier hatten meine Eltern sich daran gewöhnt, dass ich laufend "wildfremde" Tiere mit nach Hause brachte und fielen nicht mehr aus allen Wolken, wenn ich ihnen von einem neuen Familienmitglied berichtete - und verdrehten nicht einmal mehr die Augen ;)…

 

Pps.: Aurelius hat nie wieder gebissen und ist ein absoluter Traum, mein wahrer  ♥  Seelenhund, von dem man so unglaublich viel lernen kann!


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